Von der Reiseapotheke zur Reiseboxx

Auf einer Weltreise kam die Geschäftsidee

Fernreisen stehen ganz oben auf der Hobby-Liste von Melanie und Jens Christ. Grandiose Landschaften aufsaugen, Kultur tanken, Leute kennenlernen. Rein ins Flugzeug und ab zum nächsten Ziel: Kanada, Marokko, jedes Jahr woandershin. Mit ihrer Abenteuerlust und Energie sind die beiden (Jahrgang 1976) typische Widder. Und pragmatisch noch dazu: Die Wendländer gehen ohne sperrige Koffer oder XXL-Taschen auf Tour, immer nur mit Handgepäck. Weniger schleppen, reibungsloser durch die Flughäfen: Profis kommen ohne großen Ballast von A nach B. 

 

Logisch, dass den Weltenbummlern die Idee für ihre Reiseboxx nicht zu Hause auf dem Sofa kam. Die Eingebung hatten sie 2017 auf ihrer Hochzeitsreise unter dem Motto „In 30 Tagen um die Welt“. Ob in Hongkong, Nepal, Tahiti oder Chile, auf den Flughäfen bot sich stets das gleiche Bild: Die Handgepäck-Kontrollen der Mitreisenden dauerten ewig. Was war das Problem? Viele hatten zu große oder die falschen Flaschen mit Flüssigkeiten, Desinfektionsmittel oder Mückenspray dabei. Melanie Christs Fazit: „Total unorganisiert“.


Die Reiseapotheke im Zip-Beutel

Ihrer Erfahrung nach war das kein Wunder. Schließlich bekommen selbst Vielflieger beim Buchen im Internet oder Reisebüro zwar viele Tipps zur Kranken- oder Reiserücktrittversicherung – doch von sinnvollen Hinweisen auf die Reiseapotheke fehlt meist jede Spur. Melanie und Jens kannten sich aus, aufgrund ihrer Reisen und ihrer Jobs: Beide arbeiten in der Pharmabranche, er im Vertrieb und Projektmanagement von Hilfsstoffen für Arzneimittel, Medizinprodukten und Nahrungsergänzungsmitteln und sie als Assistentin in der Entwicklungsabteilung eines Pharmaherstellers. Mittlerweile hat er seinen Job in der Branche an den Nagel gehängt, um sich Vollzeit um die Reiseboxx zu kümmern.

Mit diesem Know-how zogen sie schließlich das Geschäft auf: gut durchdachte, fix und fertig gepackte, zu 100 Prozent flughafentaugliche Mini-Reiseapotheken im Zip-Beutel. Schnell. Komfortabel. Bestellbar. 

Zwei starke Partner

Zwei wichtige Partner komplettierten das Reiseboxx-Team. Jens und Melanie beauftragten eine Werkstatt der Lebenshilfe“,die heute die Versandkartons faltet und mit dem Inhalt versieht, der nicht apothekenpflichtig ist: Zip-Beutel, Pflaster undSonnenmilch gehören dazu. Die „Lebenshilfe“ kannten die Gründer bereits über ihre Jobs. Der Betrieb hatte schon viel Erfahrung im pharmazeutischen Bereich und stellte sich auch bei der Logistik als Glücksgriff heraus

 

Da auch apothekenpflichtige Medikamente – etwa gegen Reiseübelkeit, Durchfall und Fieber – mit in die Reiseboxx sollten, mussten die Firmengründer noch eine Apotheke für die Bestückung und den Versand organisieren. Das klappte sehr schnell: Die West-Apotheke im rheinland-pfälzischen Zweibrücken machte sofort mit. „Die Apotheke bekommt die vorkonfektionierten Reiseboxxen von uns, bestückt die Zip-Beutel mit den Medikamenten und schickt das Paket zum Kunden“, erklärt Jens, „das dauert von der Bestellung bis zur Auslieferung in der Regel ein bis zwei Tage.“

Reiseboxx als Vollzeitjob

Mit einer Reiseboxx für den Sommerurlaub fingen die beiden an, dann nahmen sie die Themen Winter, Familie, Surf & Kite sowie Festival mit ins Programm. Weitere Mini-Reiseapotheken folgten bald. Jens gab seinen bisherigen Job auf und machtedie Reiseboxx zu seiner Hauptbeschäftigung. Termine, Kalkulationen für den Businessplan, Warenbeschaffung – die To-do-Liste wurde täglich länger: „Mal eben 5000 Tuben Sonnencreme organisieren, das ist echt Arbeit“, sagt er. 

 

Zeit für Reisepläne nehmen sich Melanie und Jens trotzdem. Nach Kanada soll es noch mal gehen, um Freunde zu besuchen. Dann nach Japan: Das Land hat sie auf ihrer Weltreise schwer beeindruckt. Und schließlich der ganz große Traum von Melanie: „Südamerika". Gute Reise!